Hofgang

4-Kanal Videoinstallation, 2022, Kunsthaus Baselland, Muttenz/Basel

Havarie

Kunsthaus Baselland, Basel/Muttenz, Sweet Spot, 14. Januar – 27. März 2022

Hofgang, 2022, Regionale 23, Kunsthaus Baselland, Muttenz/Basel

Ganz langsam bewegt sich die Kamera und mit ihr unser Blick. Die Projektionen des Künstlerduos Christine Camenisch und Johannes Vetsch nutzen das Medium Video als bewegtes Licht im Raum. Selten geht es um eine Narration. Der Fokus liegt auf der Dekonstruktion des Raumes und darauf, neue Räume entstehen zu lassen. Die Installation ist beständig und flüchtig in einem: Der Ausstellungsraum, konkret und sicher, wird durch die Projektion auf einmal vergänglich und temporär. Die Raumlinien als sichere Elemente im Raum scheinen überblendet. Der Ort und die Projektion verbinden sich zu einer physisch spürbaren Situation, die von den Betrachtenden betreten und als ein Gefühl des Eingeengtseins erfahren werden kann. Dunkle, starre Balken, die an Gitterstäbe erinnern, lassen einen Raum im Raum entstehen. Einen Käfig, durch den wir die Aussenwelt zwar sehen, aber nicht in sie eintreten können. Zugleich scheint das Dahinter, das Draussen nur wenig verlockend: ein menschenleeres Fabrikareal in Düsseldorf, aufgenommen während des Lockdowns. Alle Fenster und Tore sind geschlossen, Baustellen stehen still, der Himmel ist mit Wolken verhangen. Die Kamera beschreibt eine Drehung in Zeitlupe, ein Schwenk um 360 Grad. In grosser Langsamkeit lässt sie uns um uns selbst kreisen. Beinahe möchte man vorspulen, um zu sehen, ob nicht doch irgendwo eine Tür aufgeht, ein Auto vorbeifährt, eine Person aus einem Gebäude tritt. Doch nichts rührt sich. Das Gefühl, eingesperrt zu sein, das uns so seltsam vertraut geworden ist, wird von Camenisch | Vetsch wieder heraufbeschworen. Die Arbeit ist eine Erinnerung an die Zeit, in der wir nicht gehen konnten, wohin wir wollten – und zugleich eine Aufforderung, die wiedergewonnene Freiheit zu schätzen. (Saaltext kunsthaus Baselland)